Ergebnisse

Theoretische Erkenntnisse


Theoretische Erkenntnisse sind von projektübergreifender Relevanz. Sie sind begrifflich-konzeptioneller Natur, drücken sich in gut begründeten Design-Prinzipien aus oder stellen Diskursbeiträge zu einem ganz bestimmten Thema dar. Aus der Perspektive forschenden Lernens finden sich im Konzept der Student Crowd Research viele Anknüpfungspunkte für die theoretische Reflexion.

  • Transformation forschenden Lernens
  • Forschendes Sehen

Transformation forschenden Lernens

Vom forschenden Lernen sprechen wir, wenn Studierende zu Forschenden werden, genauer: wenn sie jeweils einen gesamten Forschungszyklus durchlaufen, um alle Phasen eines Forschungsprozesses erfahren und eine forschende Haltung entwickeln zu können. Üblicherweise findet studentisches Forschen in Kleingruppen oder sogar individuell statt. Die Methoden und die Forschungsthemen sind abhängig vom jeweiligen Studienfach. Student Crowd Research spezifiziert und transformiert das forschende Lernen auf verschiedene Art und Weise und fordert die eigentliche Definition damit zum Teil sogar heraus.

Eine besondere Form forschenden Lernens

Die Organisation und teilweise Durchführung des Forschungsprozesses in einer Online-Umgebung macht es Studierenden, die nicht an einem Ort sind, möglich sich zu beteiligen. Das stellt das forschende Lernen nicht grundsätzlich auf die Probe – schließlich arbeiten auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunehmend online –, stellt aber hohe Anforderungen an die didaktische Begleitung. Auch die Nachhaltigkeit als Forschungsthema und normativer Hintergrund macht das forschende Lernen besonders: Es birgt ein besonderes Motivationspotenzial und legt eine Zusammenarbeit von Studierenden verschiedener Fächer nahe.

Eine weitere Spezifizierung des forschenden Lernens liegt in der Nutzung von Video als Medium und Forschungswerkzeug. Um Video wissenschaftsdidaktisch sinnvoll einbinden zu können, ist es notwendig, die Vielfalt der Videonutzung mit ihren teils noch unbekannten Potenzialen für die Wissenschaft zu explorieren und eine besonders vielversprechende Nutzung gezielt im studentischen Forschungsprozess zu fördern. Ein Fokus bei Student Crowd Research liegt auf der Videografie im Feld, was wiederum besondere Anforderungen an Didaktik und die Studierenden mit sich bringt.

Herausforderung für das forschende Lernen

Eine wirkliche Herausforderung für das forschende Lernen im Kern stellt die Sozialform der Crowd dar: Student Crowd Research basiert auf der Mitarbeit vieler Studierender. Zwar kann die Crowd einen gesamten Forschungszyklus durchlaufen, doch kommt es aus hochschuldidaktischer Sicht immer auch auf individuelle Studierende und ihren Lernprozess an. Einzelnen Studierenden gelingt es im Rahmen von Crowd Research in der Regel nicht, einen gesamten Forschungszyklus zu durchlaufen. Dennoch ist ein Nachvollziehen des gesamten Zyklus und ein Einordnen der eigenen Forschungstätigkeiten Teil von Student Crowd Research. Da die Studierenden durch ihre Beteiligung nur einen Teil vom Ganzen durch eigenes Zutun miterleben und als Subjekte in einer Crowd gegebenenfalls „aufgehen“, stellt sich die zentrale Frage, wie man diese Teil-Ganzes-Relation und das Handeln des Subjekts im Kontext der Vielen so gestaltet, dass sie dennoch eine Idee von Wissenschaft und eine wissenschaftliche Haltung entwickeln können (Reinmann et al., 2020). Ist das ausreichend, um der ursprünglichen Definition forschenden Lernens weiter zu folgen? Wie können wir Student Crowd Research bildungstheoretisch und praktisch begründen, um die Ziele forschenden Lernens in der Crowd zu erreichen? Diese Fragen prägen das gestalterische Handeln und die theoretische Reflexion im Projekt SCoRe.

Weitere Gedanken zur Transformation forschenden Lernens finden Sie in der Impact Free 25 und der Impact Free 34 sowie im Vortrag “Forschendes Lernen mit digitalen Medien am Beispiel Student Crowd Research” (Gabi Reinmann bei e-teaching.org).

Forschendes Sehen

Forschen durch wissenschaftliches Sehen

In der ersten Projektphase, der Exploration, haben wir uns am forschenden Lernen als didaktisches Prinzip orientiert. Um den Anforderungen im SCoRe-Projekt gerecht zu werden, haben wir Forschungsergebnisse und Heuristiken zum forschenden Lernen (vgl. Huber & Reinmann, 2019) bereits für die Exploration [Link Explorationsbericht] herangezogen. Das etablierte Konzept des forschenden Lernens (angelehnt an Huber, 2009) wird im Projekt SCoRe aber nicht nur durch Implementationsbedingungen, sondern auch durch die Projektziele selbst herausgefordert: Geforscht wird in der Großgruppe und mit Video. Forschen mit Video impliziert, das Beobachten als Forschungsmethode (im weitesten Sinne) ins Zentrum der Datenerhebung zu rücken. Eine ersten Erprobung der Plattform mit den didaktischen Elementen, welche aus Gestaltungsannahmen [Link auf Gestaltungsbericht] abgeleitet wurden, mündeten in einer theoretischen Spezifizierung des Konzepts „forschendes Lernen“ zu einem neuen Konzept mit dem Arbeitstitel „Forschendes Sehen“. Um dem Sehen methodisch gerecht zu werden, steht für SCoRe die Beobachtung als Forschungsmethode (im weitesten Sinne) der Studierenden im Zentrum. Forschendes Sehen definieren wir als Beobachtung im Sinne einer zielgerichteten Wahrnehmung (unter anderem auch messen, bemerken, interpretieren) von Vorgängen, Ereignissen und Verhaltensweisen. “Forschendes Sehen” ist noch kein etablierter Begriff und soll im weiteren Projektverlauf von SCoRe weiterbearbeitet und im Zuge der Projektdurchführung daraufhin untersucht werden, wie tragfähig er sich in einer digitalen Umgebung und unter Einsatz von Video bewährt.

Huber, L. (2009). Warum Forschendes Lernen nötig und möglich ist. In L. Huber, J. Hellmer, & F. Schneider (Hrsg.), Forschendes Lernen im Studium. Aktuelle Konzepte und Erfahrungen (S. 9–35). Bielefeld: Universitäts Verlag Webler.

Huber, L. & Reinmann G. (2019). Vom forschungsnahen zum forschenden Lernen an Hochschulen. Wege der Bildung durch Wissenschaft. Wiesbaden: Springer.

Reinmann, G., Brase, A. & Groß, N. (in Druck). Studentische Forschung im digitalen Raum: Ein Re-Design auf verschiedenen Gestaltungsebenen. In C. Bohndick et al. (Hrsg.), Hochschullehre im Spannungsfeld zwischen individueller und institutioneller Verantwortung. Wiesbaden, Springer VS.

Holistisches DBR-Modell

Die Erfahrungen mit den Anforderungen, die sich unter anderem aus dem Wechselspiel von Gestaltungsannahmen, Implementation, Evaluation und Re-Design ergeben, haben wesentliche Impulse für die Entwicklung eines holistischen DBR-Modells gegeben. Das Modell besteht aus fünf semantischen Feldern: Zielfindung, Entwurf, Entwicklung, Erprobung, Analyse. Das grafisch als Kreis visualisierte Modell ist so konzipiert, dass Einstiegspunkte in den DBR-Prozess in allen Handlungsfeldern möglich sind, die sich jeweils zwischen zwei semantischen Feldern auftun. In der Konzeptionierung des Modells kann argumentativ hergeleitet werden, dass innerhalb eines „großen“ DBR-Zyklus verschiedene Iterationstypen möglich bzw. notwendig sind , insbesondere dann, wenn – wie bei SCoRe – der Design-Gegenstand ein komplexes Konglomerat aus verschiedenen technischen und didaktischen Komponenten ist.