Student Crowd Research

Themen


Der Begriff „Crowd“ signalisiert in SCoRe, dass studentisches forschendes Lernen im Kontext der Vielen gedacht und praktiziert wird. Geforscht wird unter Einsatz von Video als Forschungswerkzeug (Video-basiertes, forschendes Lernen) zu Themen im Bereich Nachhaltigkeit (Lernen durch Forschung zur Nachhaltigkeit).

In der Forschung offenbaren sich Synergien, aber auch Spannungsfelder zwischen den Elementen, die Student Crowd Research in SCoRe ausmachen.

Forschen und Lernen in der Crowd

Arbeiten mit Vielen

Die Projektbeschreibung “Student Crowd Research” betont ein innovatives Charakteristikum des forschenden Lernens in SCoRe und damit auch einen wichtigen Untersuchungsgegenstand: die Crowd. Eine einheitliche Definition Begriffes „Crowd“ ist bisher noch nicht aus dem wissenschaftlichen Diskurs [Link Explorationsbericht] hervorgegangen. Im Rahmen von SCoRe war es daher nötig, den Begriff zu schärfen. Hierbei sollte einerseits den besonderen Qualitäten und Dynamiken entsprechender sozialer Formierungen Rechnung getragen werden und andererseits Bezug genommen werden auf aktuelle Ansätze zur Gestaltung und Analyse computerunterstützter Formen des kollaborativen und forschenden Lernens. Die im Rahmen des SCoRe-Projektes explorierten Crowd-Szenarien fokussieren auf die kollektive und kollaborative Auseinandersetzung der Vielen mit einer gemeinsamen Problem- bzw. Fragestellung, die von den beteiligten Akteuren als relevant anerkannt wird. Der Entscheidungsspielraum der Studierenden beschränkt sich für gewöhnlich auf die Auswahl definierter Aufgaben und die Wahl der Arbeitszeit bzw. des Arbeitsortes, nicht aber die inhaltliche Ausgestaltung des Arbeitsauftrags.

Forschen als Teil vom Ganzen

Üblicherweise findet studentische Forschung in kleinen Gruppen oder gar individuell statt. In SCoRe ist das anders. Dort forschen Studierende verschiedener Studienfächer und Hochschulen für ein Semester gemeinsam an einem Forschungsprojekt in der Crowd, zusammen mit einer großen Anzahl unterschiedlicher Studierender, für ein Semester an einem Forschungsprojekt. Um diese Gruppenstruktur zu benennen, verwenden wir als den Begriff Crowd als eine Art gemeinsamer Nenner verschiedener theoretischer Annäherungen für die jeweiligen Studierenden, die sich innerhalb eines Semesters auf der SCoRe-Plattform bewegt, dabei interagiert und kollaborativ zur Nachhaltigkeit forscht. Insbesondere in Hinblick auf die Unterstützung studentischer Forschungsprojekte in interdisziplinären Großgruppen war es von Anfang an notwendig einen konzeptuellen Rahmen zu finden, der (a) in der Lage ist unterschiedlichste Formen der Forschung abzubilden, der (b) über disziplinäre Grenzen hinweg anschlussfähig ist, der (c) eine hinreichend konkrete und explizite Beschreibung des Forschungsprozesses und möglicher Interaktionen erlaubt, um den Studierenden eine praktische Orientierung zu vermitteln, der aber zugleich (d) offen und flexibel genug ist, um den situativen Gegebenheiten, in denen die Studierenden agieren, gerecht zu werden. Aus diesen Annahmen entstand mit der Plattform ein spezielles Kollaborationswerkzeug mit dem Studierende gemeinsam ihre Forschungsprozesse in strukturierter Form dokumentieren und Entscheidungen aushandeln. Gleichzeitig wurde technisch dafür Sorge getragen, dass Studierende Veränderungen im kollaborativen Prozess verantworten und begründen müssen, was sich für das Forschen in der Crowd als essenziell herausgestellt hat.

Student Crowd Research mit Video

Videos als Daten- und Informationsquelle

Die Nutzung von Film und Videotechnologie für Lehr- und Lernzwecke hat sich in den unterschiedlichsten Lern- und Bildungsbereichen etabliert. Während Lernen mit Video generell nichts Neues mehr ist, wird der Einsatz von Video als Forschungswerkzeug, ein wesentliches Charakteristikum von SCoRe, bisher im hochschuldidaktischen Diskurs zum forschenden Lernen kaum berücksichtigt – weder theoretisch noch praktisch. Dementsprechend sind auch die epistemischen Funktionen von Video und Videoannotation wenig geklärt (Reinmann, Brase, Jänsch, Vohle & Groß, 2020). Daher ist ein Forschungsschwerpunkt in SCoRe die Nutzung von Video mit einem Schwerpunkt auf Annotations-, Tagging-, Kommunikations- und Kollaborationsfunktionen (Social Video Learning and Inquiring: SVL-I). Dabei stellt die Verwendung von 360°-Videos eine besondere Chance dar. Die vollständige Abbildung eines Handlungsraumes als 360°-Videos

bietet sich vor allem für komplexe Situationen und Geschehen an, die durch eine Vielzahl von Variablen beeinflusst werden und die sich auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Bereichen eines Handlungsraums manifestieren.

Forschen mit Videos

Videobasiertes Forschendes Lernen bedeutet im Kontext von Student Crowd Research, Video nicht nur als Informations- und Kommunikationsmedium einzusetzen, sondern auch als Medium der Kollaboration unter Vielen und der Erkenntnis im Sinne eines „forschenden Sehens“. Diese drei Funktionen von Video in SCoRe miteinander zu verknüpfen ist mit einigen Herausforderungen verbunden. Es ist zunächst nicht intuitiv vorstellbar, wie große Studierendengruppen in einer im Vergleich zum klassischen forschenden Lernen veränderten Form miteinander kollaborativ forschen und an Forschung „nur“ noch teilhaben, sondern dabei auch auf unterschiedliche Weise gemeinsam Video in verschiedenen Phasen des Forschungshandelns heranziehen (Reinmann, Brase, Jänsch, Vohle & Groß, 2020). Will man eine große Anzahl Studierende unterschiedlicher Studiengänge, verschiedener Semester mit ganz unterschiedlich ausgeprägter Forschungserfahrung und technischer Affinität zum Arbeiten mit Video anleiten, sind besondere didaktische Konzepte vonnöten.

Reinmann, G., Brase, A., Jänsch, V., Vohle, F. & Groß, N. (2020). Gestaltungsfelder und -annahmen für forschendes Lernen in einem Design-Based Research-Projekt zu Student Crowd Research. Impact Free 2/2020. Online verfügbar unter https://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2020/02/Impact_Free_25.pdf.

Student Crowd Research zur Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit als gemeinsames Forschungsthema

Für die mit der Nutzung der SCoRe-Plattform verbundenen Lehrveranstaltungen können sich Studierende mehrerer Partnerhochschulen anmelden. Eine Begrenzung auf bestimmte Studienfächer oder Semester gibt es nicht. Die teilnehmenden Studierenden bringen deshalb einerseits sehr heterogene Vorerfahrungen und Kenntnisse, andererseits aber auch eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven mit. Um von dieser Interdisziplinarität profitieren zu können, bot es sich an, die Erforschung von Themen zu Nachhaltigkeit in die Konzeption einzubeziehen. Themen zur Nachhaltigkeit betreffen drängende und global relevante Probleme. Sie werden momentan häufig diskutiert – sowohl im Rahmen wissenschaftlicher Diskurse als auch in den (Massen-)Medien. In den letzten Jahren ist ein gesellschaftlicher Wandel zu beobachten, der verschiedene Facetten des nachhaltigen Handelns in den Fokus rückt. Diskussionen und politische Entscheidungen zu Themen wie einem möglichst nachhaltigen Alltagsleben, ressourcenschonendem und fairen Wirtschaften, Umweltschutz, Klimawandel sowie Gleichberechtigung, sind über verschiedene Medien hinweg ständig präsent. Besonders die jüngeren Generationen bis hin zu den jetzt Studierenden haben diesen Wandel maßgeblich mit angestoßen. Man kann also davon ausgehen, dass auch Studierende, die sich nicht bereits in ihrem Studium oder im privaten Bereich mit Nachhaltigkeitsthemen auseinandergesetzt haben, einige Facetten des Themenbereichs kennen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie diese in inhaltliche Beziehungsstrukturen der Forschung und weiteren nachhaltigkeitsrelevanten Inhalten setzen können.

Daher versuchen wir in SCoRe, die Studierenden zu einer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragestellungen anzuregen, damit sie eine Erkenntnis- und Empfindungsfähigkeit für Themen der Nachhaltigkeit entwickeln. Durch lebensnahe Gestaltung der studentischen Forschung sollen soziale, gesellschaftliche und ökonomische Transformationsprozesse bewusst gemacht werden und zudem Spannungsmomente und Dilemmata von Entscheidungssituationen aufgezeigt werden.

Aktuelle Umsetzung

Für den Einsatz der Lehr- und Lernplattform im Wintersemester 20/21 an der Virtuellen Akademie Nachhaltigkeit wurden von uns drei verschiedene Forschungsszenarien zu Themen der Nachhaltigkeit für die Studierenden entwickelt. Die bereits ausgewählten Themen können den Sustainable Development Goals „Weniger Ungleichheiten“ [10] (Forschungsfeld: „Urbane Grünflächen: Platz für Menschen in der Natur – Platz für die Natur in der Stadt”) und „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ [11] (Forschungsfeld “„Nachhaltiger Verkehr im urbanen Raum: Die städtische Kreuzung im Fokus“)zugeordnet werden. Die Szenarien wurden so ausgewählt, dass sie sich auch unter den nicht konstanten Maßnahmen gegen die Verbreitung von Corona durch Studierende selbstständig beforschen ließen. Bei der Erstellung haben wir berücksichtigt, dass aufseiten der Studierenden kein Vorwissen vorausgesetzt werden konnte, die Datenerhebung durch die Corona-Pandemie eingeschränkt war und die Nachhaltigkeitsprobleme sich mit Video als Forschungswerkzeug im Umfeld der in ganz Deutschland wohnenden Studierenden veranschaulichen ließen.

Explorationsbericht der Universität Hamburg » PDF

Explorationsbericht der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel » PDF

Explorationsbericht der Macromedia Hochschule Hamburg » PDF

Explorationsbericht der Ghostthinker GmbH » PDF

Explorationsbericht der Universität Bremen » PDF / Blogbeitrag „Erster Prototyp am Standort Bremen: Forschung zu Nachhaltigkeit“